Pressemitteilung des Köpenicker FC vom 18.03.2020

In Bezug auf die öffentliche Berichterstattung sehen wir es im Interesse unserer Mitglieder, Verantwortlichen,

Eltern, Sponsoren und Fans als notwendig an, zu den öffentlichen Vorwürfen Stellung zu nehmen.

 

Die Vorkommnisse der letzten Tage, Wochen und Monate lassen uns, den Köpenicker FC, schlichtweg fassungslos

zurück. Nach Monaten der Diffamierung hat die zweite Instanz der Berliner Sportgerichtsbarkeit nun eine

Entscheidung getroffen. Nach der erfolgreichen Berufung und einer Vielzahl an Widersprüchen der Gegenseite

wurde unser betroffener Spieler entlastet.

 

Unsere Erleichterung über das gerechte Urteil wehrte jedoch nicht lang. Keine 48 Stunden später veröffentlichte

der SC Borsigwalde eine Stellungnahme zu dem Urteil, in dem zum Rundumschlag gegen DFB, BFV und dem

Köpenicker FC ausgeholt wurde.

 

Was war passiert?

Am 14.12.2019 gewann unsere 1.A-Jugend die Verbandsligapartie „in letzter Minute“ nach dreimaligen Rückstand

am Ende denkbar knapp mit 4:3 beim SC Borsigwalde. Unmittelbar nach Schlusspfiff entstand eine Rudelbildung, in

der die drei Trainer des Köpenicker FC und ein Co-Trainer des SC Borsigwalde versuchten, schlichtend einzugreifen.

Parallel dazu wurde dem jungen Schiedsrichter vom nichtneutralen Schiedsrichterassistenten der Heimmannschaft

verbal Gewalt angedroht. Außerdem bewarf ein Borsigwalder Spieler den Schiedsrichter mit seinen Schuhen und

verfehlte ihn nur knapp. Als es auf dem Weg in die Kabine zu einer zweiten Rudelbildung kam, wurde dabei ein

Köpenicker Spieler über mehrere Sekunden von einem Gegenspieler gewürgt. Danach flüchtete die 1.A des

Köpenicker FC samt Trainer in die Kabine. Ein Elternteil des KFC verständigte in Absprache mit einem der drei

Gästetrainer die Polizei.

 

Im Nachgang bekamen wir zu hören, dass einer unserer Spieler rassistische Beleidigungen während des Spiels von

sich gegeben haben soll. Hiermit möchten wir betonen, dass die Trainer des Köpenicker FC zu keinem Zeitpunkt

des Spiels mit den Rassismusvorwürfen konfrontiert wurden - ebenso wenig der leitende junge Schiedsrichter.

Weder ihm noch den Verantwortlichen des KFC wäre es möglich gewesen, den vermeintlichen Beleidigungen

entgegenzuwirken, da die Vorwürfe erst nach den tätlichen Übergriffen der Borsigwalder Spieler geäußert wurden.

Weder seitens des Köpenicker FC noch seitens des Schiedsrichters konnten an diesem Tag rassistische Äußerungen

vernommen werden. Auch ein ,bei der Sportgerichtsverhandlung geladener, neutraler Zeuge eines anderen

Vereins aus Berlin hat keine beleidigenden Worte von Köpenickern bestätigen können.

Nach unserer schriftlichen Beschwerde beim BFV wurde unserem Verein telefonisch von Borsigwalde im Vorfeld

der ersten Verhandlung das indiskrete Angebot einer außergerichtlichen Einigung unterbreitet. Die einst

vorgetragenen "abschreckenden Rassismusvorfälle" wollte man seitens des SC Borsigwalde außergerichtlich klären

- wohlwissend, dass dabei eine verbands- und zivilrechtliche Strafe für den zu unrecht beschuldigten Spieler

ausgeschlossen sei. Ob dies im Interesse eines Kampfes gegen Rassismus ist, lassen wir im Raum stehen. Dies

verdeutlicht aber, dass es keine rassistischen Äußerungen gab. Es zeigt viel mehr, dass die eigenen Verfehlungen

auf Borsigwalder Seite vertuscht werden sollten.

 

Beim Köpenicker FC sind über 300 Kinder und Jugendliche im Trainings- und Spielbetrieb. In diesen Mannschaften

spielen auch viele Kinder anderer Nationalitäten oder Kinder mit Migrationshintergrund. Es sei auch erwähnt, dass

Kinder und Jugendliche aus dem in der Nähe gelegenen Flüchtlingsheim bei uns eine sportliche Heimat und Basis

gefunden haben. Die vorrangig ehrenamtlich arbeitenden Trainer vermitteln unseren Kinder und Jugendlichen

ohne jegliche Vorurteile die Freude am Fußball.

 

Dass dies nicht nur Worte sind, sondern auch umgesetzt wird, unterstreicht ein Auszug eines Schreibens vom

Leiter des Übergangswohnheim für Geflüchtete Bereich IB Berlin- Brandenburg gGmbH, Peter Hermanns:

"Wie schon damals, so nahm die Fußballabteilung des KSC auch in den nachfolgenden Jahren - später der

KFC - immer wieder Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus unserer Gemeinschaftsunterkunft in ihre

Mannschaften auf. Aus eigener Anschauung und auf Grund von Rückmeldungen der Spieler und/oder ihrer

Eltern wissen wir, dass die Trainer ohne jede Berücksichtigung der Herkunft, Religionszugehörigkeit oder

Hautfarbe agierten und agieren."

 

Eine Unterstützung dieser Einrichtung mit Sportkleidung und Sportmaterial soll nicht unerwähnt bleiben.

Deshalb können wir nur traurig auf die Stigmatisierung unseres Vereins für das Thema Rassismus mit Sätzen wie,

"Ich war bei euch auf ́m Platz, da waren nur Nazis." und "Im Gegensatz zu Euch gibt es bei uns keine Nazis."

(geäußert vom Trainer/Jugendleitung des SC Borsigwalde) blicken. Dabei lebt der Köpenicker FC bereits seit Jahren

durch seine tolerante und weltoffene Art ein positives Beispiel vor.

 

Auch der lächerliche Versuch, den Köpenicker FC durch ein in 2017 angebrachtes überörtliches AfD-Plakat am

Sportplatz, in die rechte Ecke zu stellen, entbehrt jeglicher Grundlage. Jedem sollte klar sein, dass kein Berliner

Verein ein Mitspracherecht bei der Vergabe von Werbeflächen auf landeseigenen Grundstücken hat. Zudem

setzten sich damals auch Mitglieder des Köpenicker SC engagiert für das Abhängen der Werbung ein.

 

Wir hoffen, dass alle in Zeiten der Virus-Epidemie gesund bleiben und wir uns in naher Zukunft wieder auf unseren

Lieblingssport Fußball konzentrieren können.

 

Vorstand des Köpenicker FC e.V.